Leverkusen in den 50ern: „Einkaufen“

Im folgenden finden Sie das Sendemanuskript zur Sendung “Leverkusen in den 50ern” und der Folge über das “Einkaufen”. Die Ausschnitte wurden in der Stadtbibliothek Leverkusen aufgenommen, die die Gesprächsreihe auch zusammen mit dem Stadtarchiv Leverkusen organisierte. Aufgezeichnet wurde die Reihe von der Arbeitsgemeinschaft Bürgerfunk e.V. Hören Sie hier die gesamte Sendung.


20:11 Uhr 1. Take
“Als wir noch jung waren – Leverkusen in den 50ern”, so hieß eine Gesprächsreihe der Stadtbibliothek in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv. In lockerer Atmospähre wurde über die 50er und das Erlebte gesprochen. Heute hören wir Berichte rund um das Einkaufen. Walburga Hupperth kann sich noch gut daran erinnern, wie ihr Vater das erste Auto für die Familie kaufte.

1 Hupperth Auto bar bezahlt
“Da war ich im Schüleraustausch in den USA und dann hat mein Vater den ersten VW gekauft. Und dann ging man ja mit dem Bargeld… fuhr man da hin und hat das Auto abgeholt. Also das wurde ja nicht auf Pump oder sowas gekauft oder auf Abzahlung.. .das hat man zu Hause erstmal gespart und dann kam er da an”.

Als Walburga Hupperth dann von ihrem Schüleraustausch in den USA wieder kam, überraschte ihr Vater sie dann mit dem ersten Familienauto am Hafen.

2 Hupperth Auto gesehen
“Und da kamm dann die große Überraschung, das mein Vater nach Rotterdam kam um mich dann am Schiff abzuholen und er hatte die Erlaubnis, an den Kai zu fahren. Und dann hatte das Auto ein Schiebedach, das war ja der Irrsinn in Dosen. Er stand dann da oben und wir da oben an der Rehling und ich guck das kleine Auto an. Sie kommen aus den USA… diese riesen Schlitten.. und ich hab gedacht: um gottes Willen, da passt du ja überhaupt nicht rein. Die Knie hatte man vorne am VW unterm Hals und man musste ja jetzt jubilieren. Denn meine Eltern hatten ja nichts davon geschrieben, dass wir jetzt stolze Autobesitzer sind. Und das war dann schon eine Attraktion.”

Weniger Attraktion war hingegen der alltägliche Einkauf. Und da hat man meistens keine Vorteilspacks gekauft. Wie ein Einkauf in den 50ern aussah hören wir gleich.


20:20 Uhr 2. Take
In der Veranstaltung “Leverkusen in den 50ern” wurde auch erzählt, wie man die Einkäufe in den 50ern nach Hause brachte. Das ging natürlich mit Einkaufstaschen. Die waren aber nicht aus Plastik. Walburga Hupperth weiß es noch:

3 Hupperth Einkaufstaschen
“Da kamen die ersten Sachen, das weiß der Herr Arenz sicher auch noch Bugsim und Skym und Vistram und die besseren Taschen waren natürlich aus Leder. Es hat ja jeder eine Einkaufstasche gehabt. Man hat eher nur ein Handtäschchen gehabt, aber eine Einkaufstasche oder ein Netz, das gehörte einfach dazu.”

Eingekauft wurden dann aber keine Vorteilspacks oder Familienpackungen. Es wurde eher sehr genau darauf geachtet, was man wirklich in welcher Menge braucht.

4 Hupperth Variable Einkaufsmengen
“Mehr und Graupen und Gries und Zucker wurde abgemessen und in Spitztüten verkauft. Und mit der Ölflasche ging man hin und dann wurde das eingefüllt. Und die Leute haben auch sehr gezielt eingekauft. Da kaufte man keinen Liter Öl oder einen halben, sondern einen Viertel Liter. So wie man das gerade bezahlen konnte oder überhaupt sich leisten konnte.”

Dafür war man aber auch damals schon versucht, modisch immer neue Wege zu gehen. Nachher hören wir, ob das auch immer praktisch und gut war.


20:30 Uhr 3. Take
Was kaufte man in den 50ern in Leverkusen ein? Das war das Thema einer Gesprächsrunde in der Stadtbibliothek veranstaltet von der Stadtbibliothek und dem Stadtarchiv. Modisch ging es in den 50ern einen großen Schritt nach vorne in Richtung Chemiefaser. Allerdings nicht wirklich erfolgreich. Gerd Arenz war damals bei Bayer mit dem Verkauf von Textilfasern beschäftigt und weiß noch sehr gut, wie sich die frühen künstlichen Textilfasern anfühlten. Zum Beispiel das Nyltesthemd.

5 Arenz Beschreibung Nyltesthemd
“Wenn ich das mal so drastisch sagen darf: das war von vornerherein eine große Sauerei. Aber es wurde damals im Sog der Chemiefaser sowohl von der Presse, als auch von den Werbeagenturen so hoch gelobt, dass das zunächst mal ein riesen Boom wurde”.

Der Boom konnte aber nicht allzulange durchhalten. Die Nachteile waren einfach damals noch zu groß:

6 Arenz Erfahrung Nyltesthemd
“Das fing damit an, dass man transpirierte darunter in grauenhafter weise. Das ging so weiter, dass Sie ganz schnell den Gilb drin hatten. Und man sagte es ungern, aber das allerschlimmste daran war das müffeln. Und da war es nicht damit getan, dass man es in allerschnelle durch das Waschbecken zog und dann nach 10 Minuten wieder anzog und als man das dann erkannt hatte, ging es auch ganz schnell abwärts damit.”

Und das war auch sicher besser so.


20:40 Uhr 4. Take
Das die Mode in den 50ern bei den Hemden keine praktischen Hemden hervorbrachte, haben wir eben gehört. Christian Kappertz gehört heute ein Hut- und Schirmgeschäft in Opladen und kann sich an ein ganz anderes Kleidungsstück der 50er erinnern, einem ganz besonderen Hut.

7 Kappertz Homburger für Mende
“Das war der Hut, den Adenauer getragen hatte. Das war der Homburger. Den hat der Vater von dem ehemaligen Bürgermeister Mende getragen. Erich Mende hat bei Adrion den ersten Homburger bekommen. Alle Leute mussten 8 Kaninchenfelle bringen, um einen Hut zu bekommen nach dem Krieg. Mende kam aus der ehemaligen DDR, das war ein netter Mann, kam zur Frau Adrion: “Jung, du kriegst von mir nen Hut”. Und da hat er den ersten Hut ohne Felle bekommen.

Modisch komplett war der Herr dann, wenn er dazu noch die Handschuhe und den Regenschirm trug. Das dann aber meistens nur Sonntags.


20:45 Uhr 5. Take
Sie hörten eine Sendung der Arbeitsgemeinschaft Bürgerfunk. Dies war heute der sechste und damit auch der letzte Teil unserer 6-Teiligen Serie über Leverkusen in den 50er Jahren. In dieser Reihe hörten Sie Ausschnitte aus Gesprächsrunden in der Stadtbibliothek, die von der Stadtbiliothek und dem Stadtarchiv veranstaltet worden sind. Wir danken allen Zeitzeugen für ihre Regen Erinnerungen an das junge Leverkusen. Mitgewirkt haben an dieser Reihe Agid Jumpertz und Lucia Werder von der Stadtbiliothek Leverkusen, Gabriele John und Werner Schäfer vom Stadtarchiv, Ingeborg Schwenke-Runkel und Liz Rosenfelder als Moderatoren und für die Vertonung und die Nachbearbeitung der Radiosendung Sebastian Jarmuzek.

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