Leverkusen in den 50ern: „Freizeit“

Im folgenden finden Sie das Sendemanuskript zur Sendung “Leverkusen in den 50ern” und der Folge über die „Freizeit in Leverkusen“. Die Ausschnitte wurden in der Stadtbibliothek Leverkusen aufgenommen, die die Gesprächsreihe auch zusammen mit dem Stadtarchiv Leverkusen organisierte. Aufgezeichnet wurde die Reihe von der Arbeitsgemeinschaft Bürgerfunk e.V. Hören Sie hier die gesamte Sendung.


20:11 Uhr 1. Take
Was konnte man in der Freizeit in Leverkusen in den 50ern so alles machen? Das erzählten Zeitzeugen in einer kleinen Runde bei einer Veranstaltung der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs in der Stadtbibliothek. Heute selbstverständliche Dinge wie unzählige Fernsehprogramme, das Internet oder Freizeitparks waren undenkbar. Und selbst Freizeit war ein kostbares gut, wie sich Heinz Wachtmeister erinnert. Seiner Familie gehörte damals das Café am ehemaligen Stadthaus in Wiesdorf, dort, wo heute die Rathausgalerie steht:

1 Wachtmeister
“Es hatten alle viel zu tun. Es war ja nach dem Krieg, Aufbauarbeiten zu leisten. und fuhren, wenn sie dann mal etwas benutzten, dann fuhr man mal nach Köln, auf jeden Fall das Geld wurde schon woanders ausgegeben. Wenn man mal von den Sonntagen absieht, Sonntags hatte ja damals jeder frei, Samstags war ja noch ein Arbeitstag zur damaligen Zeit, dann ging man in Leverkusen aus.”

Wenn man dann am Sonntag aber mal aus ging, dann zum Beispiel in das Café der Familie Wachtmeister. Das konnte damals auch etwas ganz besonderes zu bieten:

2 Wachtmeister
“Wir waren die Ersten in Leverkusen, die Außengastronomie hatten. Das hatte kein einziger. Da waren wir Konkurenzlos – in jeder Beziehung. Das wurde dankbar angenommen. Und es war ja auch so ideal mit den Räumlichkeit. Wir hatten ein Senkfenster. Das war so vier Meter breit. Auf Knopfdruck verschwand das und dann war da eine Verbindung von Innen nach Außen zur Terrasse hin. Das war schon richtig toll, das muss ich schon sagen.”

Ins Café zu gehen war eine Variante, aber natürlich lud man auch gerne mal zu sich nach Hause ein, zum Beispiel zum Tanztee. Wie das aussah hören wir gleich.


20:20 Uhr 2. Take
“Als wir noch jung waren, Leverkusen in den 50ern”, so hieß eine Reihe in der Stadtbiliothek in der zum Beispiel Zeitzeugen aus ihrer Freizeit in Leverkusen erzählten. Eine von Ihnen ist Hildegard Wachtmeister. Sie erinnert sich noch, was man für einen Tanztee vorbereitete:

3 Wachtmeister
“Dann räumte man das Wohnzimmer aus, stellte den Schalplattenaperat an. Jeder brachte ja seine Singles mit und seine Lieblingsmusik. Man setzte eine Bowle an und Häppchen, so Käsehäppchen und so Igel, Käseigel”.

Und dann konnte die ganze Veranstaltung auch schon steigen. Hildegard Wachtmeister machte ihren ersten Tanztee noch als junges Mädchen zuhause und so blieb ihr auch nicht die peinliche Beobachtung der Mutter erspart:

4 Wachtmeister
“Einmal habe ich auch so einen Tanztee machen dürfen, aber meine Mutter kam wirklich jeder Viertelstunde rein und guckte, was da so los war. Es war gar nix los, aber es war peinlich. Es war sehr peinlich. Aber gut, wenn man dann woanders hin ging, dann freute ich mich schon.”

Wenn man dann doch mal raus ging, dann durfte es gerne auch mal ein Eis in einem Eiscafé sein. Allerdings gab es hier klare Regeln, wenn es um den Eisgenuss im Sitzen ging.

5 Wachtmeister
“Ein kleines Eis kostete 10 Pfennig. Dann musste man aber stehen. Wenn man ein Eis für 30 Pfennig bestellte, dann durfte man sich setzen”.

Aber zum Glück gab es auch schon Eis am Stil. Zum Beispiel im Kino. In Opladen gab es aber neben dem Eismann im Saal auch noch einen weiteren Verkäufer nach dem Besuch. Wir hören gleich, wer das war.


20:30 Uhr 3. Take
Fernsehen war in den 50ern noch eher selten, also ging man gerne ins Kino. So erzählte es auch Matthias Bauschen in der Reihe “Als wir noch jung waren, Leverkusen in den 50ern” in der Stadtbibliothek. Matthias Bauschen schaute sich dann gerne in Opladen einen Film im Kino an.

6 Bauschen
“Aber dann draußen, da wartete dann jemand, der schwitzte damals schon, hatte so einen Bauchladen. Der hatte dann Würste. Das war der original Wurstmaxe. Der Max Beyer. Der hat da mit einem Bauchladen angefangen. Und was dann daraus geworden ist, das wissen dann alle. Dann kam ein Auto dazu, dann ein besseres Auto usw.”

Wer für mediale Unterhaltung nicht das Haus verlassen wollte, der schaltete das Radio ein. Da gab es Sendungen, die man auf keinen Fall verpassen durfte – auf jeden Fall nicht Waltraud Weiß und ihre Freundinnen:

7 Weiß
“Es gab damals die Hitparade von Chris Howland oder Pumpernickel. Und unser Clübchen hörten uns das immer an. Und das ging bis halb 8. Aber um halb 8 fing immer in Herz-Jesu die Komplette an. Und wir kamen regelmäßig zu spät, weil am Schluß hatte er immer die Hits überhaupt und die wollten wir natürlich nicht verpassen”.

Verpassen durfte man natürlich auf auf keinen Fall die Fußball-WM. Allerdings konnte man die in der Regel noch nicht zu Hause im Fernsehen sehen. Wie man sie trotzdem miterlebte erfahren wir gleich.


20:40 Uhr 4. Take
Eines hat sich von 2014 zu 1954 oder 1958 nicht geändert: ein großes Interesse an der Fußball-WM. Im Rahmen der Reihe “Leverkusen in den 50ern” in der Stadtbibliothek hat Matthias Bauschen erzählt, wie er trotzdem die Tore der Nationalmannschaft mitverfolgen konnte:

8 Bauschen
“Also die WM 1954, die habe ich nicht im Fernsehen gesehen und so spannend wie die im Radio war, kann die im Fernsehen nicht gewesen sein. Im Sommer 1958 gabs noch die WM in Schweden. Da hatten wir auch noch keinen Fernseher. Da bin ich mit anderen in die Gaststätte gegangen, da wurde zwar nicht das Spiel im Fernsehen übertragen, der Saal war aber brechend voll. Das Spiel, das da lief, war Frankreich gegen sowieso. Und das deutsche Spiel, das lief im Radio. Das heißt, das Radio wurde eingeschaltet, da hörten wir die Übertragung des Deutschlandspiels und gucken taten wir die Schweden gegen Frankreich oder was immer das war.”

Ein Fernseher war lange Zeit eher selten. Dafür hatte es umso mehr die Eigenschaft, alle Menschen im Umfeld vor dem Gerät zu versammeln:

9 Bauschen
“In unserem Haus – ein Eisenbahnerfamilienhaus mit 6 Einheiten – da gab es nur ein Fernsehgerät. Kurz vor 8 versammelte sich bei denen das ganze Haus und dann wurde Fernseh geguckt”.


20:45 Uhr 5. Take
Die 50er in Leverkusen, eine Zeit, in der es das Gehalt noch wöchentlich in vielen Fällen in Bar gab. Das konnte man in der Reihe “Leverkusen in den 50ern” in der Stadtbibliothek erfahren. So entstand auch die Rede vom Lohntütenball. Kurt Arentz erinnert sich noch genau, was da passiert ist:

10 Arentz
“Wenn die Männer aus dem Werk kamen, dann standen 30, 40, 50 und mehr Frauen da, die die Männer abfingen. Und dann war wunderbar, wie dann einige Männer mit dem Dreschpflegen behandelt wurden. Dann war eben in der Gegend des Pförtner 4, war der Lohntütenball. Und da standen wirklich die Fahrräder erstmal nebeneinander und dann Reih bis zur Mitte der Straße. Und das gleiche war dann unter anderem Café Schweigert. Das war ja tagsüber Café und Abends hieß das Café Hemd hoch. Und richtig los war ja wirklich etwas auf der Lichstr. Das war Deutzmann. Kennen Sie Deutzmanns Nachlokal: hinten Puff und vorne Saal”.

Und damit sind wir heute auch durch mit den Eindrücken zum Thema “Freizeit in Leverkusen in den 50er Jahren”. Es gab Ausschnitte aus einer Reihe, die veranstaltet wurde von der Stadtbiliothek Leverkusen und dem Stadtarchiv Leverkusen. Die Aufzeichnung und Produktion dieser Sendung geschieht durch die Arbeitsgemeinschaft Bürgerfunk und ich bin Sebastian Jarmuzek.

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